„Text first, rhythm second, melody third“

So das berühmte Zitat des nicht weniger berühmten italienischen Komponisten, Gambisten und Sängers Claudio Monteverdi, der gestern Geburtstag gehabt hätte (* 15. Mai 1567, Cremona; † 29. November 1643, Venedig).

Monteverdi gilt als der erste große Opernkomponist, dessen Werke die Gattung Oper maßgeblich prägten, wir Sänger schätzen auch all seine wunderbaren Madrigale und Motetten. In meiner Prager Zeit sang ich als Studentin in einem Vokalensemble mit Schwerpunkt Renaissance und Frühbarock, ich stieg damals in ein laufendes Monteverdi-Projekt ein, unsere Konzerte in Prag und in Milano sind mir bis jetzt in schöner Erinnerung geblieben…

Claudio Monteverdi ist berühmt für seine revolutionäre Haltung, dass die Musik der Sprache und dem emotionalen Ausdruck (Affekt) folgen muss, nicht umgekehrt. Das zentrale Konzept hierfür ist die sg. Seconda Prattica, somit setzte er sich von der strengen Regeln der Renaissance (Prima Prattica) ab, um den Text emotionaler und natürlicher zu gestalten.

Monteverdis berühmte Zitat ist auch das Fundament meiner Arbeit als Sängerin, Gesangspädagogin und Sprachcoach in Tschechisch für Sänger.

Warum ist die Symbiose aus Sprache und Gesang so entscheidend?

Jeder Vokal und jeder Konsonant trägt den emotionalen Gehalt (den Affekt) eines Werkes. Und eine präzise Artikulation blockiert die Stimme nicht – sie öffnet den Resonanzraum.

Vivat Claudio Monteverdi, vivat musica, vivat lingua!